125 ccm

Fahne und Fackel

Es läuft die letzte Saison der Straßenweltmeisterschaft mit 125 ccm, dann werden die Zweitaktfahnen eingezogen. Ende einer Ära. Die des Schleizer Dreiecks geht aber weiter ..!

Über den Zweitakter haben wir ja schon vergangenes Mal philosophiert. Und während er einerseits als Zukunftsoption gehandelt wird, bekommt er andererseits den Hahn zu gedreht. In der Motorrad-Straßenweltmeisterschaft zum Beispiel. Dafür gibt’s Gründe, nicht alle sind plausibel. Schon bei Beginn der Diskussion argumentierten die Hersteller, der Aufbau eines Zweitakters sei einfacher und daher tendenziell leichter und billiger als ein Viertakter. Genau diese Sicht führt ja zur Erforschung des OPOC-Motors fürs Auto. Das Reglement der neuen Moto3-Klasse für 250 ccm-Viertakter ist immerhin so streng gefasst, dass die Kosten unter die bisherigen gedämpft werden. Entsprechend begeistert ist Giampiero Sacchi, Besitzer des Ioda Racing Teams, in der Moto2 mit Mattia Pasini und Simone Corsi: „Moto3 ist eine Kategorie, in der die notwendige Technologie nicht nur den großen Herstellern zur Verfügung steht, sondern auch den kleineren Ingenieursbetrieben.” IRTA-Boss Mike Trimby stößt ins gleiche Horn: „Jeder kann zu einem Sponsor gehen und sagen: Ich kann gewinnen. Das trifft auf die 125er-Klasse nicht zu, denn wenn man kein Aspar- oder Derbi-Motorrad hat, hat man nicht die geringste Chance.” Und nachdem zunächst KTM einen Rückzieher aus der Moto3 machte, sind sie nun mit deutscher Hilfe doch dabei. Alex Baumgärtel von Kalex-Engineering schaut von der WM-Spitze zuversichtlich in die Zukunft: „Die Partnerschaft mit KTM als Motorenlieferant ist ein weiterer großer Schritt für uns. Nachdem wir bereits einen guten Einblick in die Konstruktion des neuen KTM Moto3-Triebwerks gewinnen konnten, sind wir sicher, dass der Motor auf der Antriebsseite die beste Grundlage für unser Rennmotorrad ist. Mit dieser Kombination können wir an den Erfolg in der Moto2 anschließen und freuen uns schon gewaltig auf die Entwicklung und die Saison 2012!” Auf diese Weise wird die neue Nachwuchsklasse immerhin kein verkappter Honda-Markenpokal wie die Moto2.

Soweit, so gut. Dennoch halte ich das Moto3-Reglement für einen Marketing-Fehler! Denn erstens sind 125er in Europa die Einsteigerklasse, mit denen die 16-Jährigen ihre kleinen Fluchten aus dem Nest starten. Man erinnere sich an die Vormachtstellung von Kreidler in den 1970ern: Die Kisten wurden ja nicht verkauft, weil sie mit ihrem 1950er Jahre Blechrahmen-Design so toll aussahen. Sondern weil sie 50 ccm-Weltmeister waren und die Serienmotoren ein ähnliches Image genossen. Fragt heute mal die Jugend zu Aprilia – das gleiche Lechzen. Und zweitens sind 125er weltweit sowieso die mit Abstand meistgefahrene Hubraumklasse. Da muss man nur nach Südostasien oder Afrika schauen, wo ganze Haushalte auf den Kleinmotorrädern transportiert werden. Mit einer interessanten Weltmeisterschaft hätte man eventuell die Chinesen ins Boot holen können, damit sie ihren Namen endgültig verdient. Doch das ist nun gegessen. Und so würde ich eine serienähnliche 125er Klasse in der SBK begrüßen. Ist die Superbike-WM momentan nicht sowieso die technisch aufregendste Rennsportklasse, mit den meisten Marken und den unterschiedlichsten Konzepten? Ebenso bieten die Supersport 600er nicht nur exzellente Spannung, sondern auch mehr Power als die Moto2: Dass die Honda-Einheitsaggregate weniger Leistung haben als die Supersportler, ist ein offenes Geheimnis. Vielleicht zaubert SBK-Vermarkter Flammini ja ’ne 125er Nummer aus dem Hut.


2011: Line Up am alten Boxenturm

Wie so etwas aussehen könnte, haben wir gut und günstig im eigenen Land: die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft. Mit Superbike, Supersport, 125 und Sidecar ist die IDM ein aktionsreiches Spektakel mit hochkarätigem Fahrerfeld!Und zusätzlich gibt’s das Ganze hautnah, ohne VIP-Gedöhns und Wichtigtuerei. Besonders an der ältesten deutschen Naturrennstrecke ist die Atmosphäre noch wie einst, als das wahre Leben zählte und nicht die Großbildleinwand in 100 Meter Entfernung. Das Schleizer Dreieck bietet Tribünen im Vorgarten oder direkt an der „Corkscrew”-Kurve am Buchhübel, spannend wie Laguna Secca. Eine Landstraße mit Curbs in den Kurven und alter Boxenanlage am Waldrand, deren Rundstrecken-Leben von den 1920ern ins 21. Jahrhundert gerettet wurde. Vom 05.-07. August 2011 findet das inzwischen 77. Internationale Schleizer Dreieckrennen statt! Was im regulierungswütigen Deutschland wie ein Wunder wirkt, ist die Arbeit von leidenschaftlichen Thüringern, die sich ihren Traditionskurs nicht nehmen lassen. Und da wir von Krautmotors ja immer im Auftrag des Guten unterwegs sind, nutzte ich die Gelegenheit für einen Termin dort. Hörte Geschäftsführer Eugen Büchner auf humorige Weise die wechselvolle Geschichte und die aktuellen Schwierigkeiten erzählen, um dann selbst zwei Runden zu drehen. Ganz im üblichen Landstraßentempo natürlich, wie ich immer fahre ...
Also, Freunde des guten Tons, düst am ersten August-Wochenende doch mal durch Spessart, Rhön und Thüringer Wald – oder ganz zügig direkt über die A4 und A9. Der nächste IDM-Lauf am Schleizer Dreieck ist eine echte Empfehlung von uns!

 
Sommer olé!,