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Deutschland, einig MopedlandLeise, still und unheimlich kehrt wieder, was früher Deutschland weltberühmt machte: das Moped. Aufgeladen durch die Elektromobilität, werden von München bis Berlin moderne Varianten einer bewährten Idee gebaut Einst gab es in Deutschland weit über 100 Firmen, die Mopeds bauten: von Ardie Fratz bis Zündapp Combinette. Ob DKW, Express, Hercules, Mars, Rixe, Simson oder Victoria, ob Waschmaschinenhersteller Miele oder das ehemalige Nähmaschinenwerk NSU, ob großer Konzern mit Weltmeisterlorbeer wie Kreidler in Stuttgart oder kleine Manufaktur mit zart blühendem Lokalkolorit wie Tremonia in Dortmund. Der in Deutschland kreierte Ausdruck „Moped”, abgekürzte Zusammenfassung für Motor mit Pedalen, fand sogar Eingang in andere Sprachen, beispielsweise das Englische. Preiswerte Massenmotorisierung war insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg gefragt, und so erlebten die bereits in den 1920er Jahren zulassungs- und steuerfrei zu fahrenden Leichtmotorräder einen enormen Aufschwung. „Nicht mehr laufen – Quickly kaufen!”, lautete der Slogan von NSU.
Pionierfahrzeug: Opel 140 Model 1.6 PS von 1922 Der Neckarsulmer Hüpfer wurde mit Einführung der 50 ccm-Fahrzeuggattung 1953 geradezu zum Synoym fürs deutsche Moped, weltweit millionenfach verkauft und international in Lizenz gebaut. Zum größten Motorenhersteller der Welt avancierte bis in die 1970er Jahre Sachs in Nürnberg. Der jugendliche Motorradboom ab 1972 bescherte dem Kleinkraftrad einen neuen Höhenflug – mit jähem Absturz. Denn wie schon mehrfach in ihrer Geschichte hielten sich die Deutschen für unbesiegbar, und glaubten nicht an die Möglichkeiten anderer. Warum das 1950er Jahre Blechrahmen-Design der Kreidler ändern? Warum als zigfacher Gelände-Europameister eine Zündapp-Enduro für den Alltag bauen? Warten, bis es zu spät ist, und dann nach China verramschen.
Der kleine Millionär: NSU Quickly, customized by Martin Messer
Schwäbisches Mokick von heute: Elmoto mit Rallye-Pilotin Tina Meier Nürnberg darf sich meines Wissens auch rühmen, Ursprungsort des elektrischen Geländemotorrads zu sein. Dort setzt seit zehn Jahren Horst Forster Trial-Motorräder unter Strom, also lange vor Quantya und KTM Freeride. Anders als das österreichische Projekt ist die in den USA entworfene Brammo Engage ab rund 8500 Oiro bereits kaufbar. Eine der ersten Brammo Enertia, das Stadtmotorrad des Hauses, konnte ich letzten Herbst in Berlin fahren und war durchaus angetan. Die US-Marke lässt im EU-Land Ungarn fertigen, wo auch Audi seine Motoren baut. Also fast ein Heimspiel. Ebenfalls schon auf Deutschlands Straßen unterwegs ist die kalifornische Marke Zero, die mit der 2012er Generation bis 140 km/h Spitze verspricht. Mit 160 km/h Spitze soll auch noch in diesem Jahr die Brammo Empulse kommen. In der nächsten Ausgabe des Motorradmagazins MO 2-2012 lasse ich mich ausführlich darüber aus, und ich empfehle gern, sich einmal auf das Thema E-Motorrad einzulassen. Vermieter wie die bundesweite Ladenkette „Lautlos durch Deutschland” (www.lautlos.com) und andere ermöglichen den Spaß. Und den hat man, wie damals bei den ersten illegalen Kilometer auf’m Feldweg mit Opas Moped.
Made in EU: Ich wringe die Brammo Enertia bis über 100 km/h Also, macht doch einfach Watt Ihr Volt !
Stephan H. Schneider |
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