MZ

Finanz-Chance

Zwei deutsche Rennfahrer jammern nicht Krisen geschttelt, sondern investieren gerhrt. Ich ziehe meinen Helm und applaudiere!

Wer htte das gedacht: Die Ampelmnnchen Ralf Waldmann und Martin Wimmer springen auf freie Fahrt fr das Motorradwerk Zschopau! Dabei kennt die westliche U60-Generation diesen 1906 geborenen Traditionalisten ja fast nur als volkseigenen Preisrevoluzzer, der mit den 1968ern zum Neckermann wurde. Oder als langen Erzgebirgsstollen mit Staatssttzen. Wer wei schon was von Jrgen S. Rasmussens Dampfkraftwagen (DKW) aus seinem Motorenwerk Zschopau? Im Fernen Osten dagegen wei man bis heute, wem Suzuki seine ersten Rennerfolge zu verdanken hat, und deswegen knnte der gigantische Hong Leong-Konzern auch am schsischen Know how gezutzelt haben. Vielleicht. Oder es ging um die blichen Steuerabschreibungen. Abschreiben knnen aber vor allem wir unsere Steuermillionen, die im Sumpfgebiet zwischen Erzgebirge und Malaysia versenkt wurden. Denn ob Bldheit oder Dreistigkeit, zielgerichtet wirkte der Kurs der Unverantwortlichen nie. Die kapitalis tische Internationale bgelte leises Mahnen altgedienter MZ-ler ab, die sich nicht mit BMW oder Ducati auf Augenhhe sahen. Und auch die etablierte Journallie, angefhrt von Europas grtem 1000-Punkte-Tester, nickte eintrchtig mit dem Zentralkomitee, wenn der Illusionist Petr-Karel Korous fremde Finanzen vor ihren Augen verschwinden lie, und klatschte Beifall zur prachtvollen Rechnungsbcherverbrennung. Es ist doch schier unglaublich, dass dieser halbseidene Htchenspieler jahrelang mit Bentley oder Ferrari durch Zschopau protzen konnte, whrend sich das Werk von Pleite zu Pleite hangelte! Was macht dieser Geisterfahrer eigentlich heute? Noch 2002 wehte kein Hauch des Zweifels durch Parlamentarierhirne oder den deutschen Bltterwald, als der Hochstapler vom Einstieg in den sndteuren MotoGP schwadronierte, obwohl nichtmal die 1000 S aus den Puschen kam. Dem gegenber strmte das MZ-Team von Windgesicht Fritz Egli im Supermoto tatschlich aufs Podest – doch dessen Idee einer sukzessiven Weiterentwicklung wurde von der Managerelite ignoriert.
Der Begriff Global Players ist so was von korrekt: Glcksspieler, die unseren Globus fr einen Geldautomaten halten. Sollen sich doch die Menschen geflligst der Wirtschaft anpassen – nicht etwa die Wirtschaftsform einem vernderten Leben. Und oben bleibt man unter sich: Ignacio Lopez wechselte von GM zu VW, um dann eine Beraterfirma zu grnden. VW-Manager Peter Hartz IV beglckt mit seinem politischen Sparmodell bis heute Arbeitslose, und der ehemalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann ist jetzt ganz zufllig Sprecher der deutschen Automobilindustrie. Bumchen-wechsel-dich im Freundeskreis, wie der Sex bei Pubertierenden. Der Feudalismus, bei dem die Herrschaft der Fhrungskrfte vom einfachen Konsumvolk nie angezweifelt werden darf, droht zum Wirtschaftsfaschismus zu werden: Wer nicht linientreu ist, wird ausspioniert, siehe Lidl, Telekom oder Bahn. Das Stasi-Prinzip als mutierte Wiedergeburt.
Ist es da nicht ein Treppenwitz der Motorgeschichte, dass jetzt Junge Pioniere ihr Privatvermgen in MZ stecken, whrend in den USA General Motors teilweise verstaatlicht wird und uns der VEB Opel am Horizont winkt?

In Zschopau stand einst das grte Motorradwerk der Welt, das 1926 als Erstes die Fliebandproduktion fr Motorrder einfhrte. Die Zweitakter wurden den 1930ern Six Days-Sieger, Straen-Europameister und stellten Geschwindigkeitsweltrekorde auf. Allein Ewald Kluge holte zwei Europatitel, gewann mit der wassergekhlten Ladepumpen-DKW 1938 als erster Deutscher die Tourist Trophy und bekam 1939 den Titel „Meister aller Meister” als bester Motorradfahrer der Welt.
Nach dem Krieg wurde die geniale RT 125 zum meistkopierten Motorrad der Geschichte und u.a. von BSA, Harley-Davidson oder Yamaha nachgebaut. Whrend mit der Deutschen Teilung der Markenname DKW nach Ingolstadt ging, worauf ab 1966 Audi baute, kehrte das Original zurck zum Namen Motorenwerk Zschopau. Mit unverndert schnellen Zweitaktern gelang dem VEB MZ 1958 die Vize-Weltmeisterschaft hinter MV Agusta. Auf dem Weg zum Titel 1961 vor Honda liegend, flchtete Werksfahrer Ernst Degner beim GP von Schweden aus dem Sozialismus, nahm sein Wissen mit zu Suzuki und holte fr diese 1962 den ersten Welttitel. Im Endurosport fhrten ab 1963 fnf Six Days-Siege in Folge und insgesamt sieben Europameistertitel ab 1981 zu internationalem Renommee, 1985 wurde die Zschopauer Mannschaft auerdem Junioren-Weltmeister. Nach 1990 fuhr MZ im Europischen Einzylinder-Cup und im Supermoto Erfolge ein, erhielt fr die Modelle Skorpion und 1000 S mehrere internationale Designpreise, und der selbst entwickelte 125er Viertakter wurde ein zuverlssiger Verkaufserfolg.

1997: MZ Skorpion

Er soll jetzt die Kraft fr den Neuaufbau spenden: Es ist der Drehmoment strkste 125er fr 16-Jhrige und der erste wassergekhlte dohc-Vierventiler am Markt. Technisch vergrerbar bis 250 ccm, wird er zudem noch 2009 sein erstes Rollout auf der Rennstrecke haben, als Productionracer frs neue Viertakt-Reglement der IDM. Und im Gelnde soll er bald den 250er Yamahas Paroli bieten. Eine solide Finanzbasis knnen langfristig groe Stckzahlen als Stromaggregat liefern, es gibt Anfragen aus der Industrie.
Waldmann und Wimmer haben das Know how und die Kontakte in der GP-Szene und bereits fhige Leute um sich geschart. Und sie sind traditionsbewusst: Sie kennen den 93-jhrigen Krautmotor aus Zschopau, fr den man sich wahrlich nicht schmen muss. Nun geht's also unter reiner Heimleitung weiter, ganz normal international: BMW und VW produzieren auch in China, alle Audi-Motoren kommen aus Ungarn. Doch whrend sich Grokonzerne als Sozialschmarotzer outen und zum ausbgeln ihrer Fehler Staatsknete fordern, krempeln Motorradfahrer einfach die rmel hoch und geben Gas. Fr sie gehrt kalkuliertes Risiko schon immer zum Leben. Sie knnen MZ als junge Marke mit Tradition wieder ins Rennen schicken.

Lasst die Rotkppchen-Sektkorken knallen und ein paar Zndkerzen brennen, damit eine der ltesten Motorradsttten der Welt einmal Unesco-Kulturerbe wird.