Rauchverbot

Rauchverbot

Achtung Leute, heute wird mal wieder geätzt! Ist ja nicht so, dass nur Harald Schmidt lästern kann. Während der Zyniker der Nation damit aber Millionär wurde, bietet mir bislang keiner ’nen Vertrag als Deutschlands Superstar. Spaß mit Gas, sag ich da nur ...

Ich bin eben eine echte Drecksau. Fahre ich doch alte Motorräder, das jüngste Baujahr 1978. Damit drücke ich mich sogar vor der Abgasuntersuchung, buuh, politisch so ’was von unkorrekt ..! Womit wir beim Thema sind – politisches Gewäsch.
Lasst mich also in die Luft gehen: Die Eröffnung des neuen Hauptstadt-Flughafens verschiebt sich nun ein zweites Mal. Als Kradler interessiert mich das nicht wirklich, als Brandenburger und deutscher Steuerzahler hingegen schon. Diese Blamage kommt „völlig überraschend”, seufzt die Politik. Nun, für nur rudimentär Informierte so überraschend wie der russische Winter, der Untergang der deutschen Kleinkraftrad-Industrie, das MZ-Desaster unter der Leitung des größenwahnsinnigen Petr-Karel Korous oder das Damoklesschwert über Opel.
Schneller Brüter, Abwrackprämie, Transrapid – hau wech die Kohle! Erinnert sich noch jemand an Toll-Collect 2003? Allein die Beteiligung der Deutschen Telekom, deren „Volksaktie” bereits 2001 im freien Fall war, ließ schon bei Ankündigung des „modernsten Mautsystems der Welt” ein Milliardengrab vorausahnen. Außer natürlich in der Seilschaft aus Politikern und selbstherrlichen Managern. Nun beim Flughafen Berlin-Brandenburg weiß der Normalbürger seit Monaten, dass es bislang weder eine Regelung für die Taxi-Lizenzen der zwei Bundesländer Berlin und Brandenburg gibt, noch eine angemessene Abfertigungsmöglichkeit für unseren Riesenvogel Airbus A380, noch eine ausreichend funktionierende Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs: Der zweite Schritt des ÖPV-Konzepts wird erst 2015-16 vollzogen. Da hätte die Struktur schon komplett sein sollen, doch damit wird nun „nicht vor dem Jahr 2020 gerechnet.” Deutsche Qualität und Pünktlichkeit. Bei so viel heißer Luft, die da schwadroniert wurde, wundern mich die unzureichende Lüftungsanlage und Brandgefahr nicht!

Sollen im Jahr 2020 nach Visionen unserer Regierung nicht auch über eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen summen? Au Backe, wie ahnungslos darf man als „Verantwortlicher” eigentlich sein? So blöd wie die „Machertypen” der Pleite-Affäre um die hässliche Erlebniswelt Nürburgring? Die dafür notwendige Rücklage im Haushalt beträgt aktuell 254 Millionen Euro. Na, der Steuerzahler wird’s mit seinen sinkenden Reallöhnen schon richten, gell. Einfach noch Sozialausgaben beschneiden, Schulbücher und Kindergartenzuschuss kürzen, und schon passt’s. Hauptsache, die Hummer-Buffets sind immer vor der Vertragsunterzeichnung bezahlt. Und wenn garnix mehr laufen sollte, verkaufen wir alles an die Chinesen und feiern es als großen Erfolg. Hat bei Zündapp und VW Santana doch auch geklappt. Ich wünschte, die Flachpfeifen vom Schlage Öttinger, Rösler oder Beck müssten vor Amtsantritt wenigstens den PISA-Test bestehen können. Feist applaudierten die Sympathieträger Schröder und Berlusconi beim rituellen russischen Ämtertausch Marke Putin, da war die richtige Mischpoke beisammen. Hat jemand auf Arte den Spielfilm „Der Präsident” von 1961 gesehen? Nach 50 Jahren immer noch aktuell, motzt im Parlament Hauptdarsteller Jean Gabin: „Sie gehen nicht in die Politik, weil Sie eine eigene politische Meinung hätten, sondern weil Sie wissen, jede Investition wird sich nach vier Jahren amortisiert haben. Alle Politiker und Manager, die eine Schweinerei anzetteln, behaupten, sie täten das nur im nationalen Interesse.”
Heute natürlich noch im Interesse des Umweltschutzes. Brav. Ganz wichtig müssen die „Stinker runter von der Straße”, Motorräder seit 2006 endlich auch zur AU, und Taxis fahren stolz durch die Metropolen mit dem Aufkleber „Umwelt-Taxi mit Erdgas”. Jeder Kuhstall wird für die Energiewende zum Biogas-Kraftwerk propagiert, Tusch und Applaus! Da kann man doch im Gegenzug jährlich weltweit 108 Milliarden Kubikmeter Erdgas ruhigen Gewissens abfackeln. Das ist so viel, wie die Industrienationen Frankreich und Deutschland zusammen verbrauchen. Herzlichen Glückwunsch! Das blöde Begleitgas ist bei der Erdölförderung leider lästig, und die Politiker mögen die armen Weltkonzerne nicht verärgern. Durch das sogenannte „Gas Flaring“ entstehen 400 Millionen Tonnen Treibhausgase, das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von rund 500 Millionen Autos. Also der halbe Dreck aller Autos auf der gesamten Erde wird jedes Jahr in die Atmosphäre geblasen, weil’s bequemer ist. Sauber. Da machen wir doch lieber den Bürgern ein schlechtes Gewissen, allen voran den „Motorradrasern”, die sind ja so laut und gefährlich. Und jeder Privatdepp zahlt sowieso „Öko”-Steuer, egal ob er sich von der Diesellok ziehen lässt oder Mofa fährt. Okay, die armen Fluggesellschaften brauchen nicht, wäre doch sonst böse Wettbewerbsverzerrung. Nicht wahr? Stattdessen Umweltzonen einrichten, das klingt gut. Kurz: Vorne fromme Sprüche kloppen, seitlich die Hand aufhalten und hinten schamlos die Luft vollfurzen.

Drauf geschissen, dass es schon seit 1925 eine Technik zur Verflüssigung von Erdgasen gibt, um sie danach als Schmier oder Brennstoff zu verwenden. Die von den deutschen Chemikern Franz Fischer und Hans Tropsch in Mühlheim / Ruhr erfundene Synthese diente einst zur Gewinnung von flüssigen Kohlenwasserstoffen aus Kohle. Die heutigen CTL-Möglichkeiten (Coal to liquid) werden immerhin u.a. seit 2006 von der US-Airforce getestet. Aber sollte man das Geld lieber für Flugzeugträger spenden wollen, kann man auch noch mal 80 Jahre verplempern.


Da fällt mir ein: Dampfloktechnik zu modernisieren, hatte die Sowjetunion vor ihrem Zerfall angedacht. Damals mit an Bord war auch Star-Designer Luigi Colani. Als ich mir kürzlich eine BR 52 der DDR auf Museumsfahrt ansah, fiel mir der sanfte Lauf eines solchen Ungetüms auf. Hat’s erstmal beschleunigt, rollt es leiser als jede moderne Diesellok. Es muffelt zwar im Bahnhof nach Braunkohle, aber unten tropft nur Wasser raus. Wasserdampf durch eventuelle Hightech-Feuerung aus nachwachsenden Rohstoffen: Könnte das eine saubere Sache sein? Eine Krautmaschine der BR 52 als Basis für moderne Dampftechnik hat 1998 die Schweiz gekauft, wo sie seither als sauberste Dampflok der Welt im Einsatz ist.

Mächtig Dampf unterm Arsch wünscht Euch,