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Schilder-BürgerDas Glück liegt auf der Straße. Als Schild daneben steht’s aber definitiv nicht. Unterwegs zwischen Ostsee und Alpen, offenbart sich die Verwirrung Beim vorigen Mal tischte ich euch ja das traditionsreiche Schleizer Dreieck auf, als letzte deutsche Naturrennstrecke, und empfahl es als Leckerhäppchen mit Atmosphäre. So ein Landstraßenkurs hat einfach seinen besonderen Reiz, und ich persönlich mag die modernen Asphaltarenen mit mehr oder weniger ausgesperrten Zuschauern und grün angemaltem Teer als Auslaufzonen nicht besonders. Doch das Rad der Zeit dreht sich nunmal weiter. Und die Ära, wo ein paar Strohballen vor Bäumen und Häuserwänden aus einer Kreisstraße eine Rennstrecke machten, sind nicht ohne Grund vorbei. Andererseits kommt das vielleicht wieder, wird als ganz normale Sicherheitshysterie Vorschrift bei Ortsdurchfahrten. Und Fangzäune in der Landschaft.
Die häufigste Beschilderung an Landstraßen, auf denen laut Legende Tempo 100 erlaubt ist
Krautmotors düste zum Glemseck, um zu schauen ... So befahre ich auf dem Weg nach Leipzig schon lange nicht mehr die fast durchgängig mit Tempo 70 und Überholverbot kastrierte B2, sondern die kleinen Sträßchen östlich davon, die mit Tempo 100 verkehrsarme Motorradidylle bieten. Doch in den letzten Wochen hat’s mich fast in den Irrsinn getrieben. Es fing an mit einem frisch asphaltierten Radweg. Der liegt gut abseits der Straße, teilweise tief im Wald. Aber weil er nunmal bearbeitet wird, warnt ein Baustellenschild – und Tempo 50 ist vorgeschrieben. Von Horizont zu Horizont niemand zu sehen, aber stur 50. Und du kannst wetten: In irgendeinem Gebüsch zielen sie auf dich und deinen Geldbeutel. Gesteigert wird die Albernheit durch die Tatsache, dass in der Ortschaft zuvor 60 km/h erlaubt sind. Dann wurde die A111 geflickt. Nix Wildes. Ein paar Frostaufbrüche, die gestopft wurden, selten größer als ein Handteller, weit verstreut auf der Doppelspur. Folge: Tempo 40! Ich fass es nicht, 40 km/h auf einer ansonsten vollkommen normalen Autobahn. Und wir reden hier nicht von einer heftig befahrenen Verkehrsschlagader. Aber lieber ’ne verkehrsberuhigte Zone draus gemacht, mehrere Kilometer lang, wegen ein paar frischer Teerflecken. War’n die Schilder grad zu viel im Fundus des Straßenbaudepots, oder was ..? Wer nun belehrt, das sei doch nur zu meiner Sicherheit, der fahre bitte die L213. Die hat Richtung B96 eine nette zweimal 90-Grad S-Kurve, vor der nun ein Schild „30” steht. Ich denk noch: „Ach, hat’s wohl jetzt doch zu viele rausgebügelt ...” Denn der Haken kann für Ortsunkundige durchaus heikel werden. Ich bieg’ ins erste Eck – ha, begrüßt mich eine vollkommen mit Rollsplitt panierte Kehre! Nicht, dass zuvor ein Warnschild „Rollsplitt” mich oder unsichere Fahranfänger auf die Veränderung des Straßenzustands mitten in der Kurve aufmerksam machen würde. Leute, Leute ... ich als Brandenburger darf das sagen: Es gibt kein Bundesland, in dem die Straßenbeschilderung so abstrus ist, wie hier. Aber der Rest der Republik zieht nach, glaubt mir.
... und zu schalten: Rolf im Duell Mann gegen Mann Weil wir mit einer Landstraßenrennstrecke begonnen haben, ist das auch zum Ende passend. Also verheimliche ich nicht, dass Krautmotor Rolf natürlich am Glemseck war, wo inzwischen ja ordentlich Kaffee gerannt wird. Die Solitude war früher WM-Strecke – ihr wisst schon, mit Heuballen vor den Bäumen. Dann lag sie Jahrzehnte im Dornröschenschlaf, und kein Rapunzel ließ vom Boxenturm ihr Haar herab. Doch nun steppt dort Anfang September der Bär, mit Beschleunigungsläufen, Party, Männern, Mädchen und Motoren. Wildes Gedröhne auf abgesperrter Landstraße. Und das im saubere Schwobeländle ... Vielleicht ist ja sogar schon etwas Hirn vom Himmel getröpfelt ... Ich habe Hoffnung. In diesem Sinne wünscht noch einen sonnigen September,
Stephan H. Schneider |
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