Sound Teil 2

Sound ist in, Teil 2

Ja, leck mich, schon wieder’n Jahr rum. Und neun Monate gebraucht, um den zweiten Gang einzulegen: Das muss besser werden! Denn die Deutschen schreiben mit einem neuen Motorradweltmeister Geschichte - und keiner hat’s gemerkt

Bevor ich zu dem oben erwähnten historischen Ereignis komme: Hat eigentlich irgendjemand gemerkt, dass ich neun Monate weg war? Nicht dass ich zurück gekrabbelt war, um nun fristgerecht wiedergeboren zu werden. Oder irgendwie doch. Na, jedenfalls gibt’s 2011 monatliches Sauerkraut, mal süß, mal bitter gewürzt, und stets serviert mit Lebensfreude statt Todesangst. Solange uns der Himmel nicht auf den Kopf fällt ...
Nun gut. Leute mit Langzeitgedächtnis können sich erinnern, und alle anderen können im Archiv dieser Seite stöbern, dass ich im März zweifelhafte Motorradpolitik aufspießte und, davon unbeeindruckt, eine spannende Kraftradzukunft prophezeite. Ist es nicht geil, wenn man nicht nur recht behält, sondern sogar überholt wird? Ich liebe es, überholt zu werden. Wenn’s der guten Sache dient ...

Ich sagte, Aprilia wird das Honda-Mobbing beim Moto2 in der Superbike-WM rächen. Und der alte Römer rächte! Zugegeben, ich persönlich mochte Mad Max Biaggi früher nicht übermäßig, weil er gerne rumjammerte, statt einfach einzugestehen, dass der andere besser war. Aber jetzt auf seine alten Tage ist er einfach ’ne verdammt coole Sau! Sagte großschnauzig wie immer zu Aprilia: Wenn ihr mich machen lasst, wie ich will, bringe ich euch weit nach vorn. Dann fahre ich sogar für schmalen Lohn, weil ich einfach scharf drauf bin. Und dann haben sie sein früheres 250er Team aus dem letzten Jahrhundert ins Hier und Jetzt gebeamt, manchen Rentner aus dem Schaukelstuhl von der Veranda gezerrt und demütigten den Rest der jungen Welt. Ich sag’, wie’s ist: In meinem Alter freut man sich über sowas. Ducati mag halt jetzt nicht mehr und kann nicht mehr. Denn der andere, der Vale Rossi, der ist teuer. Und jetzt fährt er als Italiener in der höchsten Klasse ein italienisches Motorrad - mit Titelchancen! Ohne Aprilias Bemühungen 1994-2000 in der 500er Klasse mit einer aufgebohrten 250er unter Loris Reggiani und Doriano Romboni zu schmälern (Cagiva setzte auf Amis wie Lawson oder Mamola): Das hat es seit Ago Nazionale auf MV nicht mehr gegeben! Werden Ducati/Rossi MotoGP-Champion, fackeln die gaskranken Italiener den ganzen Stiefel mit bengalischem Feuer ab, und die Hasen reißen sich die Klamotten vom Leib und wollen ein Kind vom Meister. Wer im nächsten Urlaub was erleben will, geht dort zum Public Viewing. Da hat man ja als Deutscher - noch - nichts zu fürchten, denn statt Uwu Zeelas gibt’s mit Lafranconis auf die Ohren.

Womit wir wieder beim Thema Sound wären. Stille Nacht, gute Nacht, klingt’s auf allen Märkten, und wer meint, Elektromotoren wären das Gute in der Welt, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Strom kommt aus der Steckdose, und die hat’s hauptsächlich von Kohlekraftwerken oder solchen ohne Endlösung. Nicht mal das Ende deren Ende ist gelöst, seit Hells Angela das Lied der Atomlobby mehrstimmig singen kann. Abgesehen davon, dass die ganze Umweltverträglichkeitsrechnerei sehr vage ist: So üben Umweltfachleute heftige Kritik an Energiesparlampen, weil ihre Ökobilanz insgesamt schlechter wäre, und es geradezu widersinnig sei, ein mit giftigem Quecksilber gefülltes Gerät als "umweltfreundlich" zu postulieren.

Dass Batterien ebenso wenig zum Lutschen sind, dürfte sich genauso herumgesprochen haben. Wir bringen brav die Knopfzellen aus dem Kinderspielzeug zum Sondermüll, wollen uns aber tonnenschwere Überakkus in die Garage stellen. Ich halte das keineswegs für gefährlich, nur für verträumt. Gefährlich sind die Dinger jedoch für Leute, die nicht fahren dürfen: Blinde. Erster Widerstand regte sich in China, wo in den versmogten Millionenmetropolen schon unzählige Elektromobile unterwegs sind. Die man nicht hören kann, wenn man sie nicht sieht. Nach Toten und Verletzten werden sie nun mit Geräuschsystemen ausgerüstet. In Deutschland untersucht seit Januar 2010 die Universität Duisburg-Essen u.a. in diesem Zusammenhang die Praxistauglichkeit von Elektrofahrzeugen. Ist halt alles nicht so einfach.
Unter rein sportlichem Aspekt stehe ich total auf den Siemens-Motor. Auf der Berliner Avus konnte ich 2009 den fahrradähnlichen Humanhybriden eRockit fahren, zugelassen als Leichtkraftrad und noch auf 80 km/h begrenzt. Aber mit 75 Nm mehr Drehmoment als eine Ducati Monster 696 und bei lediglich 110 kg Gewicht einen besseren Kraftkoeffizienten als eine Suzi Hayabusa! Und so hat Roderick Wilde, Chef der amerikanischen National Electric Dragster Racing Association (NEDRA), mit seinem umgebauten und bis zu 700 PS starken E-Mazda schon problemlos die Dodge Viper mit ihrem V10-Knallhuber versägt. Tja, das können wir im Erfinderland des Motorrads und der elektrischen Mobilität natürlich umso besser: Die Münch TTE-1 hat über 120 PS und knackt locker 200 km/h. Und nun ist Münch Racing mit Pilot Matthias Himmelmann Weltmeister! Erster Weltmeister der offiziellen FIM ePower Championship, die vergangene Saison bei legendären Rennen wie Bol d’Or oder Imola ausgetragen wurde. Damit steht das deutsche Team um Thomas Petsch - neben Sebastian Vettel als jüngster F1-Champion - unauslöschlich in den Geschichtsbüchern des Motorsports! Prost, Friedel! Dein Name endlich mal wieder ganz oben, und dann noch so zukunftsträchtig. Und dass Elektrorennen keine Langweiler sind, kann man auf www.muenchmotorbikes.com unter News beim Video von Laguna Seca sehen. Stille Macht, eilige Macht.

Münch Racing Team mit Weltmeister Matthias Himmelmann

Warum also nicht die politischen Gutmenschenzüchter mit ihren eigenen Waffen schlagen: Unhörbare Ninjas rächen die bislang als "Krachmacher" geächteten Motorradfahrer. Lautlos durch die Straßen fegen, beim Ampelstart mit 200 Nm ab der ersten Umdrehung gnadenlos vollstrecken. Tödliche Katanas teilten die träge Blechlawine wie einst Moses das Rote Meer. Fordert also nur die lautlosen Racheengel, ihr Umweltapostel ... Was für ein frohes Fest! Und ein gutes Neues Jahr - in dem auf MotoGP-Kursen erstmals bayerisch gesprochen werden wird. Zu diesem Thema nächstes Mal mehr.

 
Schenkt den andern und euch selbst nix oder viel - auf jeden Fall ein. In diesem Sinne fröhliche Weiterfahrt,