Trend Setter

Trend-Setter

Anders als beispielsweise der Irische Setter ist der Trend Setter die einzige Art, deren Reinrassigkeit gerade durch wilde Mischungen entsteht. Seine Nachkommen sind dann zunehmend einzuordnen und verlieren damit des Pudels eigentlichen Kern. Paradox, ist es nicht?

Oh ja, in der Tat, es ist, alter Junge. Du erinnerst dich noch an unseren ersten Stammtisch der Caféracer in Mannheim, damals 1993? Ja, gutes Seufzen, er war kleiner als König Artus Tafelrunde und größer als meines Großvaters Werkbank. Wilde Gesellen wir waren, und dieses junge Ding des Wirts bediente freiwillig länger, wenn wir stürmten die Hafenkneipe. Des Schrottplatzes Pfützen auf der anderen Straßenseite rochen kaum besser als wir und manches Grünhorn lästerte, wir sollten entsorgen unsere Hobel gleich gegenüber. Jaja, unwissende Bastarde diese Söhne der Hündin Großserie, und die grüne Ampel lehrte sie das Maul schließen ...

Anyway, heute ist Kaffee rennen voll angesagt, die Gazetten quellen über vor Umbauten mit Höckerbänken und Stummellenkern, gaskranken Veranstaltungsterminen und stilechten Klamotten. Und so darf ich bei aller Bescheidenheit sagen, dass wir schon vor 20 Jahren den Duft britischen Rennöls in deutsche Cafés trugen. Nicht, dass wir uns der Erfindung rühmen wollen. Wie jeder weiß, rollte die Welle aus dem England der 1950er Jahre über den Kanal, begann streng genommen sogar schon in den 1930ern. Doch als wir uns ab Winter 1993 mit Kawa H1, Guzzi Le Mans oder Hoske-BMW regelmäßig in der Mannheimer „Kammerschleuse” trafen, war der aktuelle Hype noch Dekaden entfernt. Damals stritten sich Honda Feierblöd-Fahrer in Papageienkombis mit Langgabel-Kaugummis in Fransenjacken um die Speerspitze des wahren „Bikers”. Von selbsternannten Interessenvertretungen wurden die anständigen Motorradfahrer aufgefordert, alle Abweichler vom rechten Konsumweg zu denunzieren und Leute mit „unerlaubten Veränderungen” an der Maschine selbst auszusortieren. So ein hirntoter „Laut is out”-Jünger hat mich auf meinem 1970er Jahre-Einzylinder mit serienmäßiger Auspuffanlage mal allen Ernstes auf dem Parkplatz angemacht, wegen Typen wie mir gäbe es Streckensperrungen. Weia ..! Wer seine geballte Fachkompetenz aus Europas angeblich Größter mit ihren penetranten 10.000 Punkte-Tests angelesen hat, sollte lieber nur unter Seinesgleichen den Blockwart markieren, bevor er mit so unterirdischem Scheiß die Ideallinie verschleimt. Heute sitzt der Korinthenkacker vermutlich ganz selbstverständlich auf einer Bayrischen mit serienmäßigem Auspuffklappensystem. Oder hat sich am Ende ’ne moderne Hinckley-Bonneville gekauft und pumpt sich vorm Aldi zum Steve McQueen für einsame Hausfrauen auf.
Unser erstes Dragsau-Fest im Mannheimer Hafen fiel 1994 in die Zeit, als nördlich Berlins auch das Roadrunner’s Paradise öffnete. Während das abendliche Beschleunigungsrennen neben der Müllverbrennungsanlage ein Geheimtipp für Gesetzlose blieb, wird das erfolgreiche Brandenburger Konzept inzwischen reichhaltig kopiert. Die Kopien sind keineswegs schlecht, aber eben Kopien. Und den Odem des Verruchten, wie die original Raserei auf der Londoner North Circular Road und später unsere böse Dragsau, verströmt eine von deutschen Behörden genehmigte Veranstaltung sowieso nie.

Es ließen sich noch weitere Beispiele erwähnen, doch ich möchte das eigene Schulterklopfen nicht fortführen. Vielmehr soll das Geschriebene eure Instinkte wecken. Selbst erahne ich grade eine Skizze, die eine weite Brücke schlagen soll. Ob ich damit eine taugliche Spur finde oder mir die Schnauze blutig reibe, bleibt Risiko des Fährtensuchers.
Nehmt mit eurer Nase eigene Witterung auf und findet auf dem modrigen Boden der Geschichte neue Wege in eine blühende Zukunft. Heult nicht einfach mit der Meute – macht euch selbst zum Trendsetter, dem andere schließlich folgen wollen.


Glück auf,